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Nationale Naturlandschaften: Biosphärenreservate

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Der Naturschutz hat in den letzten 50 Jahren in Deutschland eine Vielzahl von Schutzgebieten unterschiedlicher Ausrichtungen hervorgebracht. Heute stellen wir Ihnen Biosphärenreservate vor, die sich von anderen Schutzgebieten durch ihre Ausgangssituation und durch ihre mittelfristigen Gestaltungsziele unterscheiden.

Beim Nationalpark steht eine zu erhaltende großflächige Naturlandschaft im Mittelpunkt. Demgegenüber beinhaltet ein Biosphärenreservat eine von menschlicher Nutzung mehr oder weniger stark geprägte Kulturlandschaft. Fast alle Biosphärenreservate werden noch wirtschaftlich genutzt und liegen meist in ländlichen Räumen, die Zukunftskonzepte brauchen. Durch niedrige Umweltbelastung und reizvolle Landschaften sind sie beliebte Urlaubsziele und Naherholungsgebiete. Hier stellen sich daher insbesondere die Fragen, wie Umweltschutz und Wirtschaft vereint werden und Mensch und Natur einträchtig zusammen leben können.

Biosphärenreservate sind damit Ausgangspunkt für einen Entwicklungsprozess. So kann zum Beispiel auch aus einem Gebiet mit ehemaligem Braunkohletagebau (Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft) eine entsprechende Entwicklungsregion werden.
Die konkreten Ziele als Modellregion für nachhaltige Entwicklung der Biosphärenreservate sind je nach Gebiet unterschiedlich stark gewichtet und umfassen zum Beispiel:

  • Sicherung ökologisch wertvoller Flächen und Vertragsnaturschutz,
  • Stärkung des touristischen Profils mit Schwerpunkt sanftem Tourismus,
  • Etablierung von Regionalvermarktungsstrukturen,
  • Umstieg auf ökologisch verträgliche Land- und Forstwirtschaft,
  • Arten- und Biotopschutzmaßnahmen,
  • Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung oder auch
  • Klimaschutz.

Biosphärenreservate – Regionale Modellprojekte

Biosphärenreservate zeichnen sich dadurch aus, dass sie großflächige Natur- und Kulturlandschaften schützen und entwickeln sollen, die für eine bestimmte Region charakteristisch sind oder einzigartige Lebensgemeinschaften beherbergen. Die 15 bisher anerkannten Gebiete repräsentieren daher wichtige deutsche Landschaftstypen. Beispiele sind das Biosphärenreservat Rhön, eine Mittelgebirgslandschaft mit offenen Graslandschaften, das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, das eine eiszeitlich waldreiche Endmoränenlandschaft auszeichnet oder auch das Biosphärenreservat Spreewald, das durch eine Auenlandschaft geprägt ist.

In Deutschland gibt es 17 Biosphärenreservate, die mit ihren insgesamt 1,99 Millionen Hektar etwa 3,7 % der Landesfläche ausmachen. Definiert werden diese Gebiete im deutschen Bundesnaturschutzgesetz in § 25, Abs. 1. Gleichzeitig sind sie aber auch international von der UNESCO auf Grundlage des „Statutory Framework of the World Network of Biosphere Reserves“ anerkannt. In Deutschland hat die UNESCO bislang 15 der insgesamt 17 Biosphärenreservate anerkannt. Weltweit sind 669 von der UNESCO anerkannte Gebiete in 120 Staaten ausgewiesen.
(http://www.unesco.de/wissenschaft/biosphaerenreservate/biosphaerenreservate-weltnetz.html)

Sie sind unterteilt in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. Die Kernzone ist ein strenges Schutzgebiet für die in ihr beheimateten Lebensräume und Landschaften sowie die dort lebenden Tiere und Pflanzen und soll mindestens 3 % der Gesamtfläche ausmachen.

Um die sensible Kernzone von äußeren Einflüssen abzuschirmen, ist sie idealerweise von einer Pflegezone oder Pufferzone umgeben. Hier sind ökologisch verträgliche Aktivitäten zugelassen wie sanfter Tourismus oder ökologischer Landbau. Pflege- und Kernzone sollten zusammen mindestens 20 % der Gesamtfläche ausmachen.

Die größte Fläche nimmt in den meisten Biosphärenreservaten die Entwicklungszone ein. Hier sind grundsätzlich alle Wirtschafts- und Nutzungsformen erlaubt. Durch die gezielte Förderung von Modellprojekten soll hier für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen in der Breite der Gesellschaft und Wirtschaft geworben werden.

Beispiel Rhön

Die Rhön ist eine deutsche Mittelgebirgslandschaft mit weitem Ausblick. Ursprünglich war die Region von dichten Buchenwäldern bedeckt, die jedoch im Laufe der Jahrhunderte menschlicher Bewirtschaftung in Graslandschaften umgewandelt wurden. Als länderübergreifende Kulturlandschaft zwischen Hessen, Thüringen und Bayern erhielt die Rhön die Auszeichnung als UNESCO-Biosphärenreservat 1991 kurz nach der Wiedervereinigung. 2014 wurde das Biosphärenreservat Rhön auf bayerischer Seite beträchtlich erweitert.

Eine abgeschiedene Lage, die naturräumlichen Besonderheiten und eine traditionelle Bindung der Bevölkerung an die Landwirtschaft haben in der Rhön eine weitgehend intakte Kulturlandschaft und ländliche Siedlungsstrukturen erhalten. Die repräsentativen Landschaftstypen sind dabei: einzelne waldbestandene Kegelberge um eine zentrale Basalthochfläche, Steilhänge mit Kalkmagerrasen, Buchenwälder, Edellaubholzwälder sowie Hochmoore. Die Artenvielfalt in den geschützten Lebensraumtypen ist sehr hoch, es finden sich gute Lebensbedingungen für bedrohte Vogelarten wie z.B. das Birkhuhn.

Durch die Zusammenarbeit der drei Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats mit der örtlichen Bevölkerung und zahlreichen regionalen Akteuren konnte die Rhön zu einem beispielgebenden Biosphärenreservat entwickelt werden. Gerade die Vermarktung regionaler Produkte trägt zur Imagebildung bei und schafft neue Arbeitsplätze in der Rhön. Daher ist auch die Identifikation der Bevölkerung mit dem Biosphärenreservat hoch.

Biosphärenreservate sind also Modellprojekte, die aus interdisziplinären Forschungen und Beratungen branchenübergreifende, aber immer regionalspezifische Konzepte entwickeln.

Ob ein Biosphärenreservat ein Erfolg wird, hängt auch davon ab, wie gut die Bevölkerung in die Gestaltung einbezogen werden kann und in welchem Maße nachhaltige betriebswirtschaftlich sinnvolle Nutzungen in der Region entstehen können.

Karte mit Biosphärenreservaten in Deutschland

Übersicht Biosphärenreservate weltweit

Das LIW bietet regelmäßig Seminare in Biosphärenreservaten an.

Diese finden Sie hier