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Faszien – nur ein neuer Name oder neue Erkenntnisse?

Faszien rücken seit der Beschreibung eines spezifischen Trainings im Jahr 2012 verstärkt ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Das kollagene Bindegewebe, das jedes Organ, jeden Muskel umgibt, vernetzt den gesamten Körper – so weit, so bekannt. Doch erst jüngste Forschungen scheinen zu belegen, dass die Faszien eine weit größere Rolle bei der Beweglichkeit spielen, als bislang angenommen wurde. 

Robert Schleip ist mit seiner 2006 erschienenen Dissertation einer der ersten gewesen, die das Fasziensystem und ihre Bedeutung systematisch beschrieben haben. Daraus hat sich ein neues Forschungsgebiet entwickelt.

Von der Bandscheibe zu den Faszien

Der Stand der Schulmedizin war bis vor kurzem: Bindegewebe hat eher einen passiven Part und ist eine „Verpackungshülle“. Bei Rückenschmerzen sind muskuläre Verspannungen, Gelenkfehlstellungen und damit verbundener Verschleiß oder beispielsweise eine komprimierte Bandscheibe hauptsächlich der Auslöser. Ida Rolf, eine amerikanische promovierte Biochemikerin, forschte schon in den 1920er Jahren zum Thema Bindegewebe und entwickelte später darauf basierend die Rolfing-Methode. Auch die Osteopathie, als Alternativmedizin, behandelt stets das Bindegewebe mit. Die Kenntnis der Faszien ist daher nicht neu. Neu ist, dass die Faszien durch jüngste Studien und letztlich bildgebende Verfahren nun sichtbar und messbar gemacht werden können, und ihre Rolle somit auch in der Schulmedizin zunehmend Anerkennung findet. Um den Ulmer Faszienforscher Dr. Robert Schleip (Studium der Psychologie, promoviert in Humanbiologie, Feldenkrais-Lehrer und Certified Advanced Rolfer) hat sich daraus ein neuer Forschungszweig entwickelt. Die Faszienforschung hat beispielsweise herausgefunden, dass bei Rückenschmerz-Patienten eine ungewöhnliche Dicke der Faszien im Vergleich zu gesunden Patienten vorhanden ist, und dass Stresshormone die Faszien dazu bringen, sich zusammenzuziehen und zu verhärten. Vermutlich können solche Verhärtungen auf Nerven drücken und auf diese Weise zu Schmerzen führen. So geht man beispielsweise davon aus, dass bisher unerklärliche Kreuzschmerzen von Verhärtungen der Lendenfaszie verursacht werden.

Das Wissen der traditionellen Bewegungskünste 

Faszien sind das verbindende Gewebe in unserem Körper. Sie umhüllen unsere Organe, durchziehen die Muskulatur und verbinden diese in Form von Sehnen oder Bändern mit den Knochen. Sie verlaufen in Form von sogenannten myofaszialen Leitbahnen durch unseren Körper und verbinden verschiedene Körpersysteme. Neben dieser Vernetzungsfunktion stellen sich Faszien als plastisches, also veränderbares System dar. Diese beiden Eigenschaften sind es auch, die es erlauben, mit bestimmten Übungen - z.B. im Yoga oder Pilates - Organfunktionen zu beeinflussen. Das Ausrollen bestimmter Körperbereiche, wie beispielsweise der Lendenfaszie links und rechts der Wirbelsäule, regt zudem den Stoffwechsel an und hat darüber einen antifibrotischen und erneuernden Effekt auf das Gewebe. Aufgrund der Entwicklung von neuen Ultraschallgeräten, sind Faszien nun auch messbar und damit wissenschaftlich nachweisbar. Durch spezielle Kameras können sie sogar in der Bewegung sichtbar gemacht werden. Die traditionellen asiatischen Bewegungslehren (Qi Gong, Tai Chi oder Yoga), und auch beispielsweise Feldenkrais- und Pilates-Übungen, basieren schon lange auf diesen Erkenntnissen, auch wenn diese erst jetzt wissenschaftlich erklärbar werden. 

Was mit Faszien bei Stress passiert

Die jahrtausendelange Evolution hat Grundimpulse wie den Flucht- und Angriffsreflex erhalten. Damit wir etwa schnell weglaufen können, ist es notwendig, dass Muskeln und Faszien eine starke Grundspannung besitzen. Diese Spannung wird vom Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus bestimmt, wobei der Parasympathikus für die Entspannung zuständig ist.

Negativer, chronischer Stress sorgt jedoch dafür, dass die zu hohe Grundspannung die Gleitfähigkeit der Faszien einschränkt und zu Muskelverhärtungen führt. Diese wiederum behindern den Transport der Lymphflüssigkeit. Der in der Gewebeflüssigkeit enthaltene Gewebeklebstoff, das Fibrinogen, das eigentlich zur Selbstreparatur von Verletzungen dient, wird fälschlicherweise in Fibrin verwandelt. Und das ist der Klebstoff, der nun nicht Verletzungen, sondern gesunde Faszien verklebt. Die Folge: die Faszien können sich jetzt nicht mehr gegeneinander verschieben. Es kommt zu Fehlbelastungen der Faszien, die wiederum Fehlbelastungen der Gelenke auslösen.

Der Hauptgrund, warum Faszien verkleben, ist also ein gestörtes Gleichgewicht zwischen Spannung und Entspannung. Ziel muss es nun sein, den Parasympathikus zu fördern und die Ausschüttung von Stresshormonen zu reduzieren.

Faszientraining – die fünf wichtigsten Zusammenhänge

  1. Am wichtigsten ist regelmäßige Bewegung. Sie fördert die Regeneration der Faszien und sorgt dafür, dass sie gut mit Flüssigkeit und Nährstoffen versorgt werden.
  2. Nicht jede Bewegung ist dabei gleichermaßen wirksam. Insbesondere federnde und schwingende Bewegungen fördern die Elastizität der myofaszialen Leitbahnen.
  3. Zudem ist die Dehnung der Faszienzugbahnen beispielsweise entlang der Körpervorderseite, des Rückens oder der Flanken in diesem Zusammenhang zielführend.
  4. Ungünstig sind einseitige Belastungen bzw. Kraftanstrengungen, beispielsweise bei übertriebenem Kraft- oder Ausdauertraining. Einseitige Belastung führt dazu, dass sich die entsprechenden Faszien verstärken, während ihre Antagonisten (Gegenspieler) vergleichsweise schwach bleiben. Dies führt zu Disbalancen im Bewegungsablauf und kann so die Beweglichkeit auf Dauer einschränken.
  5. Faszientraining zahlt sich langfristig aus. Es dauert etwa zwei Jahre, bis die Faszien des Körpers einmal rundum erneuert sind. Doch schon zwei Mal zehn Minuten Training pro Woche zeigen deutliche Wirkung.

So unterstützen Sie Ihre Faszien durch Ernährung

Auch die Ernährung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. So sollten isolierte Kohlenhydrate, wie weißes Mehl oder Zucker, nach Möglichkeit vermieden werden. Zudem reagiert die Kollagenproduktion sehr sensibel auf vorübergehenden Nahrungsentzug wie beispielsweise Fasten. Letzteres kann daher zu einer verminderten Kollagensynthese führen.

Auf eine ausreichende Wasserzufuhr (am besten sind Mineralwässer mit einem hohen Anteil an Calcium und Magnesium geeignet) sollte grundsätzlich ebenso geachtet werden, wie auf eine optimale Eiweiß- und Fettsäurezusammensetzung. Es empfehlen sich beispielsweise Proteinkombinationen wie: Kartoffel mit Ei, rote Bohnen mit Reis oder Gries mit Milch. Besonders hochwertige Fettsäuren, wie die Vorläufer der Omega-3-Fettsäuren, sind beispielsweise enthalten in Leinöl, Hanföl, Rapsöl oder Walnussöl. Die Omega-3-Fettsäuren selbst sind insbesondere in fettem Seefisch enthalten (Hering, Makrele, Lachs und Thunfisch) oder in bestimmten Meeresalgen. Sie werden auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. Hier sollte sehr auf die Qualität geachtet und gegebenenfalls auch Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

Sie fördern die Struktur Ihres faszialen Gewebes u.a. durch folgende Methoden: Yoga, Tai Chi und Qi Gong, Feldenkrais, Shiatsu, Pilates, Franklin-Methode, Alexander-Technik und Body-Mind-Centering. Wir bieten hierzu im Bereich Persönlichkeitsbildung eine große Vielfalt an Seminaren an.

Einen speziellen Themenschwerpunkt legen hier diese Seminare 

Bildquelle: Das große Netz- Landartprojekt Eifel 2016, Cornelia Budde, Köln, Leibreise - Körper, Kunst, Bewegung
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