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Plastik – die unterschätzte Gefahr

Selbst in den entlegensten Winkeln der Erde findet sich mittlerweile Plastikmüll in Flüssen und Meeren. Das Problem: Plastik braucht nicht nur Jahrhunderte bis es abgebaut ist. Plastik greift umfassend in Lebenskreisläufe ein. Als größere Bestandteile findet sich Plastik in den Mägen von Vögeln und Fischen. Die kleineren, als Mikroplastik bezeichneten Kunststoffe, überwinden Gewebe und Zellbarrieren. Dadurch beeinflussen sie komplexe Prozesse im Körper bis hin zu Erbgutveränderungen.

Gefährliche Gifte für Mensch und Tier

Bekannt ist schon länger, dass sich bereits während des Gebrauchs von Alltagsgegenständen aus Kunststoff wie Getränkeflaschen zahlreiche Schadstoffe herauslösen und vom Körper aufgenommen werden. Besonders kritisch sind Phthalate (Weichmacher) und Bisphenol A, die hormonähnlich wirken. Studien haben inzwischen belegt, dass Entwicklungsstörungen von Kindern, Erbgutveränderungen, Unfruchtbarkeit und Krebs mit dieser Schadstoffbelastung in Zusammenhang stehen.

Mikroplastik – je kleiner, desto gemeiner

Ist Plastik im Mikrometer- oder Nanometerbereich, spricht man von Mikroplastik. Mikroplastik entsteht zum einen aus Plastikmüll in Meeren und Flüssen während des Verwitterungsprozesses durch Wellenbewegung und Sonneneinstrahlung. Laut UN-Umweltprogramm UNEP treiben mittlerweile durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Schätzungen zufolge zirkulieren mehr als 250 Millionen Teile im Mittelmeer.

Wenn Meerestiere diese Plastikpartikel fressen, reichert sich das Gift im Gewebe der Tiere an. Wissenschaftler haben Plastik nicht nur in Speisefischen wie Thunfisch, Kabeljau oder Makrele sowie in Meeresfrüchten wie Muscheln oder Garnelen, sondern auch schon in kleinstem Zooplankton gefunden. Bei Meerestieren rufen Sie u. a. Entzündungen im Darmtrakt hervor, beeinflussen die Nahrungsaufnahme und durchdringen sogar Gewebe und Zellbarrieren. Damit kommt das Mikroplastik samt Gift über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus.

Überraschende Quellen von Mikroplastik

Eine weitere Quelle ist synthetische Kleidung. Die Fleecejacke als typisches Beispiel trägt dazu bei, dass selbst heimische Gewässer verschmutzt werden. Denn beim Waschen reiben sich winzige Teilchen ab und gelangen somit wieder in den Wasserkreislauf.

Weniger bekannt ist die Nutzung von Mikroplastik in der Kosmetikindustrie. Hier befindet sich das winzig kleine Material in einer Vielzahl von Körperpflegeprodukten wie Zahnpasta, Duschgels, Sonnenmilch oder Peeling-Produkten in Form von Granulaten oder flüssigem Kunststoff. Auch hier gelangt es wieder über das Abwasser in Meere und Gewässer.

Plastik in der Umwelt – ein dauerhaftes Problem

Mikroorganismen sind nicht in der Lage Kunststoffe vollständig zu zersetzen. Bis sich eine Wegwerfwindel oder eine Kunststoffflasche aufgelöst haben, vergehen bis zu 450 Jahre. Eine Anreicherung von Kunststoffen wird weltweit an Stränden, in Meeresstrudeln und Sedimenten beobachtet. Die Abfallbelastung bedeutet für betroffene Meeresorganismen eine ernste Bedrohung ihrer Gesundheit.

Eine Weltkarte des Alfred-Wegener-Institutes illustriert das Müllaufkommen.

Müllsammeln im Meer

Einer, der das Thema Meeresverschmutzung durch Mikroplastik für sich zum Lebensthema gemacht hat, ist der Niederländer Boyan Slat. 2012, mit gerade 19 Jahren, hat der Student für Luft- und Raumfahrttechnik, die Idee, einen riesigen Müllsauger im Meer zu installieren, der die Wasserströmungen nutzen will, um das Plastik einzusammeln.

Er hat nicht nur verschiedene Designpreise gewonnen, sondern mittlerweile über 31 Millionen US Dollar über Crowdfunding eingenommen, um einen Prototypen zu entwickeln. Dieser wurde 2016 vor der niederländischen Küste installiert, um Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Idee in die Praxis umgesetzt werden könnte.

Sobald das System praxistauglich ist, soll es dort im Pazifischen Ozean stationiert werden, wo sich der größte Müllwirbel befindet. Slat will den Müll in den kommenden fünf Jahren halbieren. Mittelfristig soll das System auch noch Gewinn abwerfen. Denn das gesammelte Plastik soll recycelt und verkauft werden.

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Ist Bioplastik die Lösung?

Seit einiger Zeit findet sogenanntes Bioplastik als Ersatzstoff für erdölbasiertes Plastik in etlichen Bereichen des Alltags Anwendung. So werden Verpackungen aus Mais- oder Kartoffelstärke angeboten; Einkaufstüten werden als biologisch abbaubar betitelt. Doch hier ist Vorsicht geboten. Zum einen sieht die Ökobilanz für Bioplastik selten besser als für das konventionelle Plastik aus. Zum anderen wird für Bioplastik Mais aus Intensivlandbau verwendet. Damit ist nicht nur der Ausgangsstoff mit Pestiziden belastet, sondern auch im Biokunststoff noch nachweisbar.

Mikroplastik erkennen und vermeiden

Besser als Plastikmüllsammeln und Bioplastik als scheinbare Alternative ist seine Vermeidung. Auch wenn der größte Plastikmüllanteil in Asien anfällt, so haben wir als Verbraucher in Deutschland (und Europa) mit der Thematik auf vielfache Weise im Alltag zu tun.

Allerdings ist es oft nur schwer zu erkennen, ob ein Produkt Mikroplastik enthält. Im BUND-Mikroplastik-Einkaufsratgeber finden Sie Produkte, deren Inhaltsstoffe einen oder mehrere der beschriebenen Kunststoffe enthalten.

Wie Sie Kunststoffe beim Einkaufen erkennen, verrät eine Checkliste von Greenpeace

Und auf der Plattform Utopia finden Sie weitere Infos.

Plastik im Alltag vermeiden

Frischhaltefolie, Einweggeschirr, Abreißtüten: Plastik ist aus unserem Alltag schwer wegzudenken – und doch gar nicht so schwer zu vermeiden:

  • Kosmetik selber machen oder Kosmetik mit Ökosiegel kaufen
  • „Unverpackt“-Läden aufsuchen
  • Plastikfreie Online-Shops
  • Plastik in Haushalt und Bad durch Alternativen ersetzen (z. B. Seife im Stück statt Seife im Plastikspender)
  • Wiederverwendbare Beutel für Obst und Gemüse statt Plastiktüten
  • Markt statt Supermarkt
  • Leitungswasser statt Wasser aus Plastikflaschen
  • Keine Kunstfaserkleidung kaufen (z. B. Fleece)
  • Thermobecher statt „ToGo“
  • Reparieren, umgestalten, upcyceln
  • Müll sammeln und konsequent trennen
  • Sogenanntes „Bioplastik“ vermeiden

 In folgenden LIW-Seminaren wird das Thema Plastikvermüllung thematisiert

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