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Qi Gong – nachhaltig Gesundheit für Körper, Geist und Seele schaffen

Patricia Eilert absolvierte verschiedene Ausbildungen in psychologischer Beratung, ließ sich als Qi Gong Lehrerin bei Meister Liu aus München ausbilden und erlernte die Neiyanggong- Übungen in China. Als Volontärin an speziellen Schulen reiste sie mehrere Jahre durch Indien. Heute bietet sie Kurse u.a. auf Mallorca an. Wir fragten sie zu den Hintergründen des Qi Gong und warum dieses unter dem Aspekt der Gesundheitsvorsorge insbesondere in Bezug auf den Arbeitsalltag zu empfehlen ist.

Frage: Frau Eilert, können Sie ganz kurz umreißen, was Qi Gong eigentlich ist?

P. Eilert: Qi Gong bedeutet frei übersetzt: die Arbeit am Fluss der Lebenskraft oder das Üben (Gong) mit dem Lebensstrom (Qi). Wenn der Mensch im Einklang mit der Natur wäre, würde die Lebenskraft, das Qi, wie bei Pflanzen und Tieren auch natürlich fließen. Da wir aber unseren Geist mit Konzepten, Glaubenssätzen, Meinungen über uns und das Leben angefüllt haben, wird das Qi am freien Fluss gehindert und blockiert. Blockaden, die längere Zeit andauern, bringen irgendwann Krankheiten hervor. Die Qi Gong-Übungen sind ein Mittel, das Qi in Bewegung zu bringen, zu halten und zu lenken.

Qi Gong ist ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dazu zählen neben der Akupunktur die Kräuterkunde, Massagetechniken und die Ernährungslehre der 5 Elemente. Während diese vier Bereiche nur unter Anleitung und Beobachtung eines TCM Arztes oder TCM-Therapeuten Anwendung finden, so ist Qi Gong – schon mit einer geringfügigen Grundlage – ein Übungssystem, das Sie im Sinne der Selbsthilfe verwenden können.

Frage: Was genau soll Qi Gong denn bewirken?

P. Eilert: Wie bereits angedeutet sorgt Qi Gong dafür, dass wir im Fluss sind mit uns. Es sorgt für ein ruhiges Gemüt, für eine Leichtigkeit, schärft die Wahrnehmung und schafft wieder Raum in uns. Das Letztere ist heutzutage besonders wichtig, Gleichzeitig bringt Qi Gong das Blut zum Fließen, trägt die Energie in den gesamten Körper und sorgt für eine Entspanntheit desselben. Dadurch werden nicht selten kleine körperliche Beschwerden mit ausgemerzt. Größeren physischen Erkrankungen kann durch regelmäßiges Qi Gong-Praktizieren durchaus zu einer Verbesserung verholfen werden. Qi Gong sorgt also für ein energetisches Gleichgewicht, einen wachen Geist, ein lachendes Herz und im physischen Bereich für eine Geschmeidigkeit und bessere Gesundheit oder eine lockere Körperverfassung

Frage: Wie darf ich mir das vorstellen? Können Sie das noch etwas genauer ausführen?

P. Eilert: Ich erlebe, dass viele Menschen heute ganz stark in Beruf und Familie eingebunden sind und so stark auf das „Abarbeiten“ von fremd- oder selbstauferlegten Aufgaben konzentriert sind, dass sie kaum Raum für sich lassen. Manche Menschen bauen über die Zeit dabei körperliche Verspannungen auf, die im Grunde diesen Widerspruch von Müssen und Wollen zeigen. Da also viele Menschen unter dem Druck der Anforderungen nur funktionieren und deshalb das, was ihnen  wirklich am Herzen liegt, nicht sehen, außer Acht lassen  oder meinen, sich das aus verschiedenen Gründen nicht leisten zu können, kann Qi Gong den Raum schaffen, in dem Sie wieder offener werden für ihre tieferen Bedürfnisse und die Möglichkeiten ihrer Erfüllung. Das wirkt sofort Stress reduzierend.

Körper und Geist wirken zusammen. So kann es geschehen, dass körperliche Verspannung dafür sorgt, dass sich auch im Geistigen eine gewisse Mechanik oder sogar Starre äußert und festsetzt. Die kann dann beispielsweise dazu führen, dass wir nicht mehr in der Lage sind, uns ein Leben jenseits des Hamsterrads vorzustellen. Das Qi ist blockiert, wie die Chinesen sagen.

Dabei ist es ja ganz wichtig, auch Raum zu haben, in uns hineinzuspüren, was wir wollen und brauchen. Und genau das ermöglicht Qi Gong: durch die Verbindung von langsamen Bewegungen, Atmen und wohltuenden Vorstellungsbildern und Atmen entsteht ein Raum für Stille und Innerlichkeit.

Frage: Was meinen Sie damit?

P. Eilert: Wenn Menschen zu mir kommen, sind sie oft nicht in der Lage, sich zu entspannen. Diese Personen auf eine Matte legen zu lassen und sie mit stiller Meditation zur Ruhe kommen zu lassen, hätte einen gegenteiligen Effekt. Aber durch die Konzentration und die Achtsamkeit, die durch die langsamen Bewegung und den ruhigen Atemrhythmus aufgebaut werden (die Atmung) gelingt es meist recht schnell, loszulassen und sich nicht mehr vom Gedankenstrom knebeln zu lassen. Hilfreich ist sicher auch dass die Qi Gong-Übungen mit Bildern arbeiten. So heißen Übungen z.B. „Sich frei wie eine Wildgans fühlen“, „Fliegender Kranich“, oder „die Sonne über den Horizont“ tragen. Wir fühlen uns in diese Bilder hinein, was einen direkten  Effekt auf Körper und Geist hat. Denn durch die Konzentration des Übenden auf so ein Bild, auf die Bewegungen und den Atem, entspannt der Mensch und es entsteht Raum für Neues.

Frage: Das ist interessant: denn diesen Zusammenhang zwischen körperlichen Bewegungen und Veränderungen im Gehirn haben Hirnforscher ja erst kürzlich bestätigt. Aber: Ist bei den Übungen nur die mentale Vorstellung wichtig oder spielt bei den Bildern auch die Mythologie eine Rolle? Wenn ich mich recht erinnere, steht der Kranich ja für ein langes Leben.

P. Eilert: Das ist natürlich richtig, dass sich in den Bildern auch Mythologie und chinesische Philosophie widerspiegeln. Zum Beispiel. Das Bild: „Den Mond anschauen“ beinhaltet den Zusammenhalt der Familie, das Miteinander und die Harmonie der Familie. Und ein langes gesundes Leben ist den Chinesen überaus wichtig. Das bleibt uns Westlern – wenn wir uns damit nicht zusätzlich auseinandersetzen – meist verborgen. Für mich ist aber das Imaginieren an der Stelle viel wichtiger. Im Seminar geht es mir zuvorderst um das Praktizieren und das persönliche Empfinden und Erleben.

Natürlich erläutere ich auch die Zusammenhänge mit der 5-Elemente-Lehre und was hinter Yin und Yang und Chi steht. Denn die Fünf-Elemente-Lehre ist wie die Vorstellung von Yin und Yang ein zentraler Bezugspunkt in der Traditionellen Chinesischen Medizin. So werden dem Element Holz die Geschmacksrichtung sauer, die Farbe grün, der Wind, die Himmelsrichtung Osten, die Jahreszeit Frühling, das Speicherorgan Leber und das Gefühl Wut im negativen und neue Vision und Begeisterung im positiven zugeordnet. Für mich als Lehrende sind diese Zusammenhänge natürlich wichtig bei der Auswahl der Übungen, für die praktische Durchführung der Übungen durch die Lernenden ist das aber erst einmal nebensächlich.

Frage: Es gibt ja unzählige Qi Gong-Übungen. Darunter welche, die auf bestimmte Organe abgestimmt zu sein scheinen (wie die 5-Organe-Übung). Heißt das, dass ich bei bestimmten körperlichen Symptomen organbezogene Übungen lerne?

P. Eilert: Durchaus. Bei der Übung: Das Herz öffnen, breiten wir die Arme weit auseinander, dehnen den Brustkorb. Die verschiedenen Übungen wirken auf verschiedene Körperteile und  Funktionskreise.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden Veränderungen im Körper im Zusammenhang mit den fünf Funktionskreisen erklärt, wobei die Organnamen wie Herz, Lunge oder Niere weniger das Organ als vielmehr einen bestimmten Funktionskreis bezeichnen.

Frage: Was sind denn die Vorteile von Qi Gong gegenüber Gymnastik oder Übungen im Sportstudio.

P. Eilert: Sowohl Gymnastik als auch Übungen im Sportstudio sind isolierte, rein körperliche Vorgänge, die den Muskel X oder die Muskelgruppe Y stärken sollen. Dabei gibt es sogar Übungen, die Menschen mit Einschränkungen nicht durchführen können oder sollten.

Ein Vorteil von Qi Gong ist, dass jeder nach seinen Fähigkeiten und in jeder Altersgruppe mit den Übungen umgehen kann. Haben Sie zum Beispiel Probleme mit Ihren Knien und können nicht so tief hinuntergehen, dann bewegen Sie sich soweit es Ihnen gut tut. Auch auf einem Stuhl ist Qi Gong praktizierbar.

Qi Gong ist mit seiner über 2.000 Jahre alten Erfahrungsmedizin zudem ganzheitlich ausgerichtet. Der Ansatz des Qi Gong ist es ja, lange und gesund zu leben. Und im Sinne der Traditionellen Chinesischen Medizin schließt das Körper, Geist und Seele ein. Deswegen sind die Übungen so entwickelt worden, dass sie mehrere Zwecke erfüllen. Das heißt, wer Qi Gong praktiziert, stärkt mehr als nur die Muskeln, obwohl diese auch gestärkt werden trotz der relativ sanften Übungen.

Frage: Man sieht häufig, dass Tai Chi und Qi Gong zusammen angeboten werden. Wo sind denn die Unterschiede?

P. Eilert: Im Grunde stammen beide aus der gleichen Denkrichtung. Qi Gong ist sozusagen aus dem Tai Chi entstanden. Sie können das vielleicht mit einem musikalischen Beispiel vergleichen: Beim Qi Gong haben Sie kleine, in sich geschlossene Lieder, während Tai Chi die Sinfonie ist. Beim Tai Chi laufen Sie längere, sogenannte Formen, bei denen unterschiedliche Elemente miteinander verbunden werden. Aber sowohl beim Tai Chi als auch beim Qi Gong geht es um Öffnen und Schließen, Senken und Heben, Energieaufnehmen und –abgeben, Anspannen und Entspannen. Tai Chi erfordert jedoch viel mehr Übung und Praxis, weil es in langen aufeinander abgestimmten Sequenzen erfolgt. Ziel und Zweck sind heute bei beiden jedoch ähnlich, wenngleich das Tai Chi historisch gesehen aus der Kampfkunst-Tradition stammt.

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